Gedroschener Weizen kommt unter den Hammer

Zwebendorf. Goldgelb schimmern die Maiskolben, die Auktionator Eberhard Leonhardt in der Nachmittagssonne demonstrativ nach oben hält. Auch frische Möhren und ganze Weizensäcke kommen unter den Hammer. Die Versteigerung des Erntegutes ist neben Kuhlotto, Festumzug und Erntetanz ein fester Bestandteil des Zwebendorfer Erntedankfestes, das am Wochenende (18. bis 20. September 2009) zum achten Mal stattfand.
Die Vorbereitungen dazu beginnen bereits Wochen vorher mit dem Binden der Erntekrone, wie die Vereinsvorsitzende Karin Leonhardt im Gespräch erklärt. Wie in alten Zeiten ziehen die Männer des Heimatvereins dafür mit der Sense aufs Feld und ernten das reife Korn. Danach binden und schmücken die Frauen das traditionelle Geflecht. Fachkundige Anleitung erhalten sie dabei von Vereinsmitglied Jacqueline Beutel, die die Technik von ihrer Schwiegermutter lernte.
Ihren ersten Einsatz hatte die Erntekrone in diesem Jahr bereits beim Queiser Dreschfest, das vom Förderverein Klepziger Kirche e.V. zweijährlich ausgerichtet wird. Und da man sich unter Ortsnachbarn seit Jahren gegenseitig unterstützt, besuchten die Klepziger ihrerseits mit historischen Traktoren und einer Dreschmaschine (Baujahr 1936) das Fest in Zwebendorf. Die in Schauvorführungen gewonnenen Weizensäcke wurden zugunsten der weiteren Aktivitäten des Zwebendorfer Heimatvereins versteigert. Eine der weiteren Attraktionen ist das traditionelle Kuhlotto, bei dem diesmal Jungkuh Linda (links im Bild) vom örtlichen Bio-Bauernhof zum Einsatz kam. "Wir haben in den letzten Jahren immer auf ältere Kühe gesetzt, doch die muss man schon sehr anfeuern, um sie vom Fleck zu bewegen", erklärt Karin Leonhardt. Das Experiment gelingt, und die 8 Monate alte Linda tobt vor mitfieberndem Publikum munter über das abgesteckte Terrain. Der ersehnte Fladen fällt nach einer knappen halben Stunde. Im Wettmelken versucht sich Mario Finke aus Zwebendorf und bringt es in der Wettkampfzeit von 1 Minute auf stolze 550 ml. Am Wettkampfgerät, einem Holzgestell mit Gummieuter, habe sie selbst das Melken gelernt, erzählt Bio-Bäuerin Ursula Häusler. Die Kampfrichterin kennt die meisten hier, gibt Anfängern einen hilfreichen Tipp und hat ein waches, verschmitztes Auge auf die Teilnehmer. "Es soll ja vor allem Spaß machen", meint sie. Am Ende setzt sich Titelverteidiger Egon Beyer mit beachtlichen 750 ml durch.
Der Heimatverein Zwebendorf e.V. wurde 2003 gegründet und belebt mit seinen 37 Mitgliedern seitdem die Dorfgemeinschaft. Neben dem Erntedankfest richtet man Oster- und Neujahrsfeuer aus, organisiert Lesestunden, Puppentheater und Feste für Kinder, veranstaltet Bastelabende und bietet seit neuestem ein Büchertausch-Regal im Gemeindezentrum an, das allen Einwohnern zur Verfügung steht.


H. Mertens